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Kündigung per Einschreiben: was das Datum entscheidet

Kündigung per Einschreiben: Zugang und Nachweis im Überblick
Zugang entscheidet, nicht das Absenden

Lesezeit: 8 Minuten · Stand: 1. September 2026

Bei einer Kündigung per Einschreiben entscheidet nicht das Absendedatum, sondern der Zugang. Eine Willenserklärung, die einem anderen gegenüber abzugeben ist, wird nach § 130 Abs. 1 Satz 1 BGB in dem Zeitpunkt wirksam, in welchem sie ihm zugeht. Das Einschreiben ändert daran nichts — es ist ein Beförderungsprodukt, keine Zustellungsform im rechtlichen Sinn.

Das Wichtigste in Kürze

  • Maßgeblich ist der Zugang, nicht das Absenden (§ 130 Abs. 1 Satz 1 BGB)
  • Die Kündigung eines Arbeitsverhältnisses bedarf der Schriftform, elektronische Form ist ausgeschlossen (§ 623 BGB)
  • Einwurf-Einschreiben 2,35 €, Übergabe 2,65 €, mit Rückschein 4,85 € Aufpreis
  • Das Bundesarbeitsgericht verneint für das heutige Scan-Verfahren den Anscheinsbeweis
  • Beim Übergabe-Einschreiben entsteht bei Abwesenheit kein Zugang, sondern eine Filialhinterlegung
  • Diese Seite ordnet die Rechtslage mit Fundstelle ein und ersetzt keine Rechtsberatung

Welches Datum zählt bei einer Kündigung per Einschreiben?

Das Datum des Zugangs. § 130 Abs. 1 Satz 1 BGB knüpft die Wirksamkeit einer Willenserklärung unter Abwesenden an den Zeitpunkt, in dem sie dem Empfänger zugeht. Nicht an die Einlieferung, nicht an den Poststempel und nicht an den Sendungsstatus.

Wann ein Zugang vorliegt, hat das Bundesarbeitsgericht in seiner Entscheidung vom 7. Mai 2026 so beschrieben: Die Erklärung muss so in den Machtbereich des Empfängers gelangen, dass dieser unter normalen Verhältnissen die Möglichkeit hat, von ihrem Inhalt Kenntnis zu nehmen. Zum Machtbereich zählt der Briefkasten.

Diese Seite gibt die Rechtslage mit Fundstelle wieder und wendet sie nicht auf Ihren Fall an. Ob und wann eine Erklärung in einer konkreten Situation zugegangen ist, hängt von den Umständen ab. Wer eine Frist einhalten muss, sollte anwaltlichen Rat einholen.

Muss die Kündigung schriftlich sein?

Für Arbeitsverhältnisse ja. § 623 BGB bestimmt, dass die Beendigung von Arbeitsverhältnissen durch Kündigung oder Auflösungsvertrag zu ihrer Wirksamkeit der Schriftform bedarf und die elektronische Form ausgeschlossen ist.

Das betrifft die Erklärung selbst, nicht den Versandweg. Ein Einschreiben ist keine Formvorschrift, sondern eine Zusatzleistung der Deutschen Post — sie ändert weder etwas an der Formwirksamkeit noch am Zugangszeitpunkt.

Was kostet eine Kündigung per Einschreiben?

Der Aufpreis kommt auf das Briefporto. Für einen Standardbrief mit einem oder zwei Blatt ergibt sich:

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Variante Aufpreis Standardbrief gesamt Dokumentiert wird
Einschreiben Einwurf 2,35 € 3,30 € der Einwurf in den Briefkasten
Einschreiben 2,65 € 3,60 € die Übergabe gegen Unterschrift
mit Rückschein 4,85 € 5,80 € zusätzlich ein Beleg per Post an den Absender

Welches Format Ihr Schreiben ist, hängt von Blattzahl und Umschlag ab. Der Portorechner ermittelt es aus Maßen und Gewicht, die Unterschiede zwischen den Varianten stehen unter Einschreiben-Kosten.

Was belegt ein Einschreiben — und was nicht?

Hier hat sich 2026 etwas verändert. Das Bundesarbeitsgericht hat mit Urteil vom 7. Mai 2026 (Az. 2 AZR 184/25) entschieden, dass beim heutigen Scan-Verfahren der Deutschen Post kein Anscheinsbeweis für den Zugang eines Einwurf-Einschreibens besteht.

Der Grund liegt im Ablauf: Nach den Feststellungen des Gerichts scannt der Zusteller am Briefkasten, unterschreibt auf dem Eingabefeld des Scanners und beendet den Vorgang — und wirft die Sendung erst danach ein. Der Auslieferungsbeleg entsteht damit zu einem Zeitpunkt, zu dem der Zugang noch nicht stattgefunden hat.

Nachweis Anscheinsbeweis für den Zugang Fundstelle
Einlieferungsbeleg und Sendungsstatus verneint BAG, 30.01.2025 – 2 AZR 68/24
Einwurf-Einschreiben, heutiges Scan-Verfahren verneint BAG, 07.05.2026 – 2 AZR 184/25
Einwurf-Einschreiben, früheres Peel-off-Verfahren vom BGH angenommen BGH, 11.05.2023 – V ZR 203/22

Ob das Bundesarbeitsgericht der Linie des Bundesgerichtshofs zum früheren Verfahren folgen würde, hat es ausdrücklich offengelassen. Die Entscheidung im Einzelnen steht unter Anscheinsbeweis beim Einwurf-Einschreiben.

Was passiert, wenn niemand angetroffen wird?

Das ist der praktische Unterschied zwischen den beiden Hauptvarianten, und er wird oft übersehen.

Beim Einwurf-Einschreiben wird die Sendung in den Briefkasten eingeworfen. Sie kommt an, auch wenn niemand zu Hause ist.

Beim Übergabe-Einschreiben entsteht ein Fehlversuch. Die Sendung wird in der Filiale hinterlegt und muss abgeholt werden. Holt der Empfänger sie nicht ab, kommt es zu keiner Zustellung.

Verschärfend kommt hinzu: Der Lagerservice der Deutschen Post bei vorübergehender Abwesenheit schließt Einschreiben aus — ausgenommen ist allein das Einwurf-Einschreiben. Ein Übergabe-Einschreiben an einen verreisten Empfänger wird also nicht zugestellt.

Welche Rolle spielt der Auslieferungsbeleg?

Der Auslieferungsbeleg ist etwas anderes als der Sendungsstatus im Netz. Er ist das Dokument, auf dem der Zusteller die Zustellung bestätigt hat, und er lässt sich bei der Deutschen Post anfordern.

In der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs zum früheren Verfahren war genau dieser Beleg der Anknüpfungspunkt: Ein Anscheinsbeweis kam dort in Betracht, wenn neben dem Einlieferungsbeleg auch die Reproduktion des Auslieferungsbelegs vorlag. Einlieferungsbeleg plus Sendungsverfolgung genügten nach dem Bundesarbeitsgericht dagegen nicht.

Häufige Fragen zur Kündigung per Einschreiben

Wann gilt eine Kündigung per Einschreiben als zugestellt?

Mit dem Zugang. Nach § 130 Abs. 1 Satz 1 BGB wird eine Willenserklärung unter Abwesenden in dem Zeitpunkt wirksam, in welchem sie dem Empfänger zugeht. Das Bundesarbeitsgericht beschreibt den Zugang als Gelangen in den Machtbereich mit der Möglichkeit der Kenntnisnahme unter normalen Verhältnissen.

Ist eine Kündigung per Einschreiben rechtskräftig?

Die Versandart entscheidet darüber nicht. Für Arbeitsverhältnisse verlangt § 623 BGB die Schriftform und schließt die elektronische Form aus; erfüllt ist das durch die eigenhändig unterschriebene Erklärung, nicht durch den Versandweg.

Ist eine Kündigung per Einwurf-Einschreiben wirksam?

Die Frage betrifft nicht die Wirksamkeit, sondern den Nachweis. Das Bundesarbeitsgericht hat für das heutige Scan-Verfahren entschieden, dass daraus kein Anscheinsbeweis für den Zugang folgt (Az. 2 AZR 184/25).

Welches Datum zählt: Absendung oder Zustellung?

Der Zugang. Das Absendedatum ist für die Wirksamkeit ohne Bedeutung.

Was passiert, wenn der Empfänger das Einschreiben nicht abholt?

Beim Übergabe-Einschreiben kommt es dann zu keiner Zustellung, weil die Sendung in der Filiale liegen bleibt. Beim Einwurf-Einschreiben wird sie in den Briefkasten eingeworfen.

Reicht der Sendungsstatus als Nachweis?

Nach der Entscheidung des Bundesarbeitsgerichts vom 30. Januar 2025 begründen Einlieferungsbeleg und Sendungsverfolgung allein keinen Anscheinsbeweis für den Zugang (Az. 2 AZR 68/24).

Quellen

Angabe Quelle Abgerufen
Wirksamwerden einer Willenserklärung unter Abwesenden mit dem Zugang § 130 Abs. 1 Satz 1 BGB (gesetze-im-internet.de) 01.09.2026
Schriftform bei Beendigung von Arbeitsverhältnissen, Ausschluss der elektronischen Form § 623 BGB (gesetze-im-internet.de) 01.09.2026
Kein Anscheinsbeweis beim heutigen Scan-Verfahren, festgestellter Zustellablauf, Beschreibung des Zugangs, zitierte Vorgängerentscheidungen Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 07.05.2026, Az. 2 AZR 184/25 (bundesarbeitsgericht.de) 31.08.2026
Entgelte für Einschreiben, Rückschein und Briefporto, Hinterlegung in der Filiale, Ausschluss vom Lagerservice Deutsche Post AG: Leistungen und Preise, Stand 01.07.2026 (PDF, dhl.de) 31.08.2026